Wir feiern in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum: Im Jahr 1926 wurde die erste Stanzform gefertigt. Seither hat sich die Technologie grundlegend gewandelt – von handwerklicher Einzelarbeit hin zu hochpräzisen, industriellen Fertigungsprozessen. Marbach hat diese Entwicklung von Beginn an aktiv mitgestaltet.
Der Einstieg in die Stanzformfertigung im Jahr 1926 markierte einen entscheidenden Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte von Marbach. Zu dieser Zeit lag der Schwerpunkt noch auf der Produktion von Aufsetzstanzmessern für die regionale Lederindustrie. Heilbronn galt damals als bedeutende Leder-Hochburg, die Schuhindustrie war entsprechend der wichtigste Absatzmarkt. Mit den wirtschaftlichen Herausforderungen der Weltwirtschaftskrise gingen die Aufträge aus diesem Bereich jedoch deutlich zurück. Wie es der Zufall wollte, ergab sich genau in dieser Phase eine neue Möglichkeit: Ein Bekannter von Karl Marbach Senior, der Inhaber der Werbemittelfabrik Willi Nupnau, war auf der Suche nach einem regionalen Lieferanten für Bandstahlschnitte, da sein bisheriger Partner in Berlin zu weit entfernt war. Nupnau kam mit einem Musterwerkzeug zu Marbach und fragte, ob eine solche Fertigung möglich sei. Für Karl Marbach Senior war das keine Hürde.
Nupnau nutzte Bandstahlschnitte, um unter anderem farbige Buchstaben aus Papier, Karton und Pappe für Schaufensterdekorationen auszustanzen. Im Jahr 1926 begann Marbach daraufhin mit der Herstellung von Bandstahlschnitten. Die Schneidlinien wurden mit einfachen Mitteln gefertigt, beispielsweise aus geschärften Grammophonfedern. Der Bedarf dieses ersten Kunden markierte den Beginn des Stanzformenbaus bei Marbach und ebnete den Weg in die papierverarbeitende und spätere Verpackungsindustrie.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion in Heilbronn unter schwierigen Bedingungen neu aufgebaut. Mit wachsender Nachfrage entwickelte sich insbesondere die Verpackungsindustrie zu einem zentralen Markt. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Präzision der Werkzeuge kontinuierlich. Bis in die 1960er-Jahre hinein wurden Stanzformen vollständig manuell gefertigt. Die Konturen wurden von Hand auf Sperrholzplatten gezeichnet und anschließend wurde der Kanal für die Schneidlinien mit einer Dekupiersäge gefertigt. Dieser Arbeitsschritt war besonders aufwendig: Für jede einzelne Kontur musste das Sägeblatt neu angesetzt werden. Das Sägeblatt wurde in ein zuvor gebohrtes Startloch eingeführt, die Kontur ausgesägt und anschließend wieder gelöst, um es an der nächsten Stelle erneut einzusetzen. Dieser Prozess war zeitintensiv und erforderte große Sorgfalt. Wurde ein Startloch nicht exakt getroffen, kam es häufig zum Bruch der Sägeblätter.
Die Toleranzen der einzelnen Arbeitsschritte summierten sich, sodass die Genauigkeit der Werkzeuge begrenzt war. Die Anforderungen der Verpackungsindustrie an die Genauigkeit der Zuschnitte wurden in den 1960ern aufgrund neuer Verpackungs- und Aufrichtemaschinen immer höher. Diese Maschinen waren schneller, aber auch sensibler und erforderten so mehr Genauigkeit bei den Verpackungszuschnitten, die verarbeitet wurden. Die von Hand hergestellten Werkzeuge konnten dieser Entwicklung nicht mehr gerecht werden.
Die Antwort auf diese Entwicklung war der Einsatz der Lasertechnologie. Anfang der 1970er-Jahre investierte Karl Marbach Junior in diese damals neue Technologie. 1972 wurde in Heilbronn die erste NC-gesteuerte CO₂-Laserschneidanlage für die Stanzformenfertigung in Europa installiert. Trotz anfänglicher Herausforderungen markierte diese Investition einen Wendepunkt: Die Lasertechnologie setzte neue Maßstäbe in der Qualität der Stanzformenfertigung. Sie entwickelte sich in den folgenden Jahren zum Standard der Branche.
„Das Besondere an dieser Technologie war die Möglichkeit, Konturen mit einer bislang unerreichten Präzision und Geschwindigkeit zu fertigen. Das war ein völlig neuer Ansatz im Stanzformenbau“, erklärt Peter Marbach, geschäftsführender Gesellschafter von Marbach.
Neben der Nutzung neuer Technologien treibt Marbach seit Jahrzehnten eigene Entwicklungen voran und prägt damit den Markt bis heute. Bereits früh wurde mit dem Produkt rillma eine präzise Gegenzurichtung etabliert, die weiterhin eine wichtige Grundlage effizienter Prozesse bildet. Mit der Schneidlinientechnologie mpower hat Marbach einen Standard gesetzt, der bis heute für hohe Standzeiten und reduzierte Zurichtezeiten steht.
Auch die Ausbrechtechnologie marbastrip ist nach wie vor fester Bestandteil moderner Produktionsprozesse und wurde konsequent weiterentwickelt, unter anderem zur masterstrip|plate. Mit der rillplattenform stehen hochpräzise Lösungen für anspruchsvolle Anwendungen zur Verfügung. Der digitale Zonenausgleich mit DZL|plate und DZL|foil reduziert die Einrichtezeiten deutlich, da der Zonenausgleich nur einmal durchgeführt werden muss und anschließend für einen längeren Zeitraum sowie für mehrere Werkzeuge bestehen bleibt. Mit CONNECT|M geht Marbach noch einen Schritt weiter und vernetzt Maschine, Werkzeug und Anwender für eine transparente und datenbasierte Produktion. Darüber hinaus hat Marbach zahlreiche weitere Innovationen entwickelt. Viele dieser Eigenentwicklungen haben sich im Markt etabliert und sind heute fester Bestandteil der Stanzformenindustrie. „Innovation war schon immer ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensentwicklung. Unser Anspruch ist es, Technologien gezielt weiterzuentwickeln und damit nachhaltige Standards zu setzen. Bei Marbach kauft man nicht nur Werkzeuge, sondern immer auch ein Stück Zukunft“, so Peter Marbach.
Auch nach 100 Jahren steht Marbach für Kontinuität und Fortschritt im Stanzformenbau – mit klarem Fokus auf Präzision, Effizienz und technologische Weiterentwicklung.